Chapter Text
Richard war eingeschlafen, mit seiner kleinen Tochter im Arm, als es an der Tür klingelte und er etwas panisch nach oben schoß. Dabei wachte Linchen auf und fing an zu weinen. „Oh Gott, ach meine Süße, ich hab gar nicht mehr an dich gedacht.“ Er gab ihr einen zärtlichen Kuss auf den weichen Flaum auf ihrem Kopf und stand schwerfällig auf. Wer konnte das denn jetzt sein? Und wo war eigentlich Sylvie?
Als er die Tür aufmachte, stand ein erschöpfter Paul davor. „Hey, Schatz! Allet jut?“, fing er an und schob sich an Richard vorbei in die Wohnung.
„Ähm ja. Was machst du hier?“
Paul drehte sich zu ihm herum. „Nüscht. Wollte eijentlich nur nach dir sehn un fragn, wie der Termin bei Johannes war.“
Richard legte seine kleine Tochter in das Kinderbettchen, was neben der großen Couch stand und wollte sich gerade auf diese setzen, als es an der Tür schloß und Sylvie hereinkam. Sie hatte 2 Tüten dabei, anscheinend war sie einkaufen gewesen.
„Na, ihr zwei, alles klar?“, grinste sie und stellte die Tüten auf der Anrichte in der Küche ab. Beide nickten und Linchen fing fröhlich an zu krähen. Sylvie war sofort bei ihr. „Heyhey, meine Süße, hat sich der Papa um dich gekümmert, hm?“, sprach sie zu dem kleinen Mädchen und Pauls Herz wurde ganz leicht.
Richard sah ebenso verzückt zu seiner Tochter. „Sie ist so süß, oder?“
Paul nickte. „Dit isse. Wat freu ick mir uff meen kleenet Würmschen.“
Sylvie nahm die Kleine aus dem Bettchen und trug sie in ihr gemeinsames Schlafzimmer. „Ich komme gleich wieder. Ich wickel die Kleine und…“
Richard unterbrach sie. „Soll ich was kochen? Das wolltest du doch eigentlich machen?“
Sie grinste weiter. „Ja, aber du hast so schön geschlafen, da hab ich gedacht, ich gehe in der Zwischenzeit was einkaufen.“ Sie streichelte die Kleine auf ihrem Arm. „Und außerdem bist du der bessere Koch.“
Als sie verschwunden war, drehte sich Richard herum, verzog ob seines lädierten Fusses das Gesicht und strich leicht über Pauls Wange. „Na, mein Paulchen, auch was essen?“
Paul wand sich ein bisschen. „Äh, nee. Passt schon. Icke muss ooch wieda runta, ick will de Jenny nich so lange alleene lassn.“
„Du schlägst Essen aus? Du, der immer Hunger hat?“, griente Richard und Paul boxte ihm spielerisch auf den Arm.
„Ja, diesma schon. Also, wie war‘s bei Johannes?“
„Stimmt, das wolltest du ja wissen.“ Und dann erzählte Richard von seinem Erlebnis mit der Halb-Hypnose.
„Wow, nich schlecht. Aba Respekt, dat du dit mit dir hast machn lassn, du alta Kontrollfreak.“
„Ja, ich wollte erst nicht. Aber Johannes vertraue ich zu hundert Prozent. Und dass ich viel von meiner Vergangenheit erzählt habe und auch die Sylvie nicht mehr so vernachlässige, ist doch ein gutes Zeichen.“
„Uff jedn Fall.“
Richard drängte sich an Paul heran. „Und bei euch? Was ist mit Jenny?“
„Schwangaschaftshuddelei‘n.“
Richard sah ihn ungläubig an. „Wie?“
„Naja, se muss sich oft übajebn un manchma kippt se eenfach um.“
„Waas? Das ist aber nicht so gut. Wart ihr schon beim Arzt?“
„Noch nich. Aba wolln wa heute noch machn.“
„Macht das mal, ist wichtig.“
Paul nickte und strich Richard über den Arm. „Un wir beede? Wa ham lange keene Zeet mehr für uns jehabt.“ Dabei zwinkerte er ihm zu und Richard wusste ganz genau, was Paul mit „keene Zeit für uns“ meinte. Er wollte ihn, keine Frage und auch bei Richard meldete sich die Sehnsucht nach dem kleinen schönen Mann.
„Das stimmt allerdings. Aber ich kann Sylvie ja nicht aus der Wohnung jagen und du deine Jenny auch nicht.“ Richard ging langsam hinkend in Richtung Küche – der eitle Gockel sah es gar nicht ein, seine Krücken zu nehmen. „Außerdem wollen die Mädels morgen vorbeikommen bezüglich der Hochzeit. Es wird endlich Zeit. Wir mussten lange genug warten.“
Paul grinste. „Nee, dit stimmt. Wa wolln unsre Mädels ja nich vatreibn, aba icke hätte da ne kleene Idee.“ Er wurde rot. „Wat hältste davon, wenn wa beede morjen nach dem Termin mitde Mädels de kleene Datsche von Schneida nutzn?“
„Die Datsche von Schneider?“
„Ja, er hat doch hinta Bernau ne kleene Waldhütte. Weeßte davon jar nüscht?“
Richard schüttelte mit dem Kopf. „Unsere Frau Schneider. Was der nicht alles hat. Und? Kann man da übernachten? Und wichtig: Haste nen Schlüssel?“
Paul schüttelte auch den Kopf. „Weeß ick nich, aba so wie icke Schneida einschätze, is da allet pickobello. Der is nich wie Till, der mit wenijem zufriedn is. Ick könnte üba Uli….“
Richards Gesicht grinste breit, sehr breit. „Ulrike? Die hat ihren Laden ja nicht weit von hier.“
„Jenau. Un wenn wa ihr erklärn, warum wa in de Datsche wolln, isse jarantiat uff unsre Seite.“
„Bestimmt. Aber wir sollten Schneider trotzdem informieren.“
„Dit machste schon.“ Er klopfte ihm auf die Schulter. „So, ick vazieh mir. Schön‘ Abend noch.“ Damit schlüpfte er flink aus der Tür und Richard stand da wie ein begossener Pudel.
„Dieser kleine freche Mann.“, schmunzelte er, dann zog er sein Handy aus der Hosentasche und wählte Schneiders Nummer.
*
Ulrike hatte gerade Pause und goß sich in ihrer Praxis einen Kaffee ein. Sie war erschöpft, heute war viel gewesen. Als sie gerade in einen Post über neueste Erkenntnisse in der Psychotherapie vertieft war, klingelte erneut die Tür. Seufzend legte die ihr Handy beiseite und ging zur Tür.
Vor dieser stand eine attraktive Frau. „Guten Tag. Ich hätte gerne einen Termin bei Ihnen.“, fing diese an. Das war sehr ungewöhnlich, denn die Termine machte sie mit ihren Kollegen entweder per Telefon oder direkt über das Netz. Persönlich kamen nur Freunde und Kollegen vorbei.
Ulrike guckte sie perplex an, bat sie aber in die Praxis hinein. „Okay. Bitte setzen Sie sich einen Moment, ich hole das Terminbuch.“ Damit ging sie in den hinteren Teil der Praxis.
Irina sah sich in dem Laden um. Am liebsten hätte sie diese Ulrike sofort überwältigt, aber es lohnte sich, mal nicht mit der berühmten Tür ins Haus zu fallen. Sie musste auf jeden Fall mehr über diese ganze Bande erfahren. Wenn sie irgendwo ansetzen konnte, wo eventuelle Schwachstellen waren, umso besser lief es dann und Manfred wäre zufrieden. Sie war sich im Klaren darüber, dass sie von diesem ekelhaften Ex-Stasi-Typen abhängig war, zumindest geldlich, aber was sollte es?
Als Ulrike wiederkam, hatte sich Irina wieder im Griff und lächelte Schneiders Frau freundlich an. „Es ist im Moment ziemlich ausgebucht, aber ich könnte Ihnen einen Termin in zwei Wochen anbieten. Haben Sie irgendwelche Unterlagen für mich, um was es sich bei Ihnen handelt?“, fragte Uli weiter.
Irina bekam einen kleinen Schreck, natürlich hatte sie damit nicht gerechnet. „Ähm, hab ich. Leider zuhause.“
„Kein Problem. Dann bringen Sie bitte die Unterlagen zum Termin mit.“
Irina nickte schnell, bedankte sich für den Termin, den Ulrike ihr aufschrieb und verließ etwas zu schnell die Praxis wieder.
Ulrike sah noch lange auf die jetzt geschlossene Tür. Das war irgendwie sehr merkwürdig gewesen. Normalerweise kamen Leute zu ihr, die ein Problem mit der Psyche hatten. Den meisten sah man es nicht an, aber sie hatten immer Unterlagen von diversen Ärzten dabei. Was hatte wohl diese junge attraktive Frau? Manchmal waren es aber nur Gespräche von einsamen Menschen, die auch den Rat eines Psychologen oder Psychotherapeuten suchten.
Sie beschloss, diesen komischen Moment heute Abend ihrem Mann zu erzählen.
*
Richard humpelte mit angespanntem Gesicht zu Ulrike in die Praxis, als er sehr merkwürdige Dinge vor dem Haus wahrnahm. Er schlich leise um eine Ecke herum und beobachtete.
Ein großer dunkler Wagen hatte gerade vor Ulrikes Praxis eingeparkt, der ihm leider nur allzu bekannt vorkam. Er war sich sicher, dass es das Auto war, mit dem er und Paul bei ihrer Entführung im Urlaub gekidnappt worden waren. Ihm schlug das Herz bis zum Hals und er verstand erstmal gar nichts mehr.
Plötzlich ging die Beifahrertür auf und eine ihm nur allzu bekannte Frau trat ins Freie – es war niemand Geringeres als die Dame auf der Raststätte, die ihn angebaggert hatte. „Was zum Teufel…“, flüsterte er vor sich hin und steckte sich eine Zigarette an. Er sah, dass die Dame anscheinend mit dem Fahrer sprach, denn sie lehnte sich in den Transporter hinein.
Er musste Ulrike warnen und auch seinen Lieben Bescheid geben. Er hasste es, wenn er so eingeschränkt war, aber trotzdem schickte er schnell per WhatsApp eine Nachricht an die Frau von Schneider. Hoffentlich las sie diese, bevor etwas passierte. Die nächste WhatsApp ging an Paul. Wie auf Kohlen wartete Richard auf Antworten, aber beide wurden nicht gelesen. „So ein Mist aber auch!“, schimpfte er leise vor sich hin.
Er beobachtete weiter, bis ihm einfiel, dass er natürlich Laubacher informieren sollte.
Aufgeregt scrollte er in seinem Handy nach der Nummer, als sich eine große Hand fest auf seine Schulter legte. Sein Herz rutschte in die Hose, als er sich langsam umdrehte.
„Mitkommen!“, kam nur von dem stämmigen Kerl, der hinter ihm stand.
*
Paul lag faul neben seiner Freundin, die eingeschlafen war, auf der großen Sofalandschaft und zappte durch die Fernsehprogramme. Er war gerade selber am Eindösen, als sein Handy in seiner Hosentasche vibrierte, doch er hatte keine Lust zu reagieren. So wichtig konnte gerade nichts sein, also ließ er das kleine Telefon da, wo es war.
Doch das Vibrieren hörte nicht auf. „Menno, nervt dit, ey!“ Genervt zog er das Smartphone aus der Tasche. Er hatte fünf WhatsApp auf diesem. Zwei von seinem Sohn und DREI von Richard. Was wollte er? Er hatte sich mit ihm verabredet, ja, aber erst, wenn sie die Schlüssel zu Schneiders Datsche hätten. Außerdem wollte Richard sich doch um den Schlüssel kümmern.
„Wattn?“, ging er ran. Doch als er Richards Schnaufen hörte und dann die Tatsache, die er atemlos in den Hörer hauchte, setzte er sich so schnell aufrecht hin, dass Jenny in seinen Armen ungnädig grummelte. „Ick komm!“
Damit schoß er hoch, verhaspelte sich und wäre bald wieder über seine eigenen Beine gefallen, wenn der Tisch nicht seine plötzliche Reaktion gedämpft hätte. „Mist ey!“, schimpfte er ungehalten und schlich leise weiter, um Jenny nicht aufzuwecken. Hastig schrieb er ihr einen Zettel, dass er unterwegs war, und legte diesen mit einem gemalten Herz auf den Couchtisch.
Aufgeregt stolperte er die Treppe nach unten und als er vor dem Haus stand, sah er sich nach allen Seiten um, ob er irgend etwas Verdächtiges wahrnahm. Dann lief er schnellen Schrittes in die Richtung, in der Ulrikes Praxis lag.
*
„Gott, Wassili, hast du mich erschreckt!“ Richard war unglaublich erleichtert. Er hatte schon befürchtet, dass wieder so eine Scheiße wie in den letzten Monaten passieren könnte. Wassili bedeutete Richard, leise zu sein und zog ihn vorsichtig mit sich mit. „Aber ich will….“
Als sie ein Stück entfernt waren, klärte ihn Wassili auf. „Sorry Richard.“ Dann sah er auf Richards Bein. „Was ist denn mit dir passiert?“
Richard wischte die Frage beiseite. „Nichts Besonderes. – Aber sag mal, was machst du hier?“
„Ich? Alle. Wir sind alle hier, auch Sascha, Mischa und Nikita.“
„Bitte was?“
„Ja, als wir sozusagen mit Natascha fertig waren, haben unsere Mittelsmänner weiter beobachtet. Und leider hatten wir Recht. Es gibt immer noch Jemand, der euch ziemlich schaden will und dieser Jemand ist unglaublich gefährlich.“
Richard zog die Augen nach oben. „Oh bitte nicht! Was…“ Weiter kam er nicht, denn hinter Wassili sah er einen gehetzten Paul herannahen, der nur in sein Unglück rennen konnte, wenn er ihn nicht aufhielt.
Richard wollte neben Wassili hervorschnellen, aber sein Bein machte nicht mit und er zischte vor Schmerzen.
Wassili drehte sich herum, so dass er Paul auch sah, der direkt auf sie zulief. Schnaufend hielt Paul auch und wollte schon losplappern, aber Wassili hielt sich schnell den Zeigefinger an die Lippen.
„Mensch, wattn schon wieda los?“, flüsterte Paul und sah aufgeregt von Richard zu Wassili.
Wassili spähte um die Ecke, wo Irina immer noch am Auto stand, diesmal stand noch ein Typ neben ihr, der die personifizierte Verbrechergestalt war. Hager, ausgemerkelt und einen boshaften Gesichtsausdruck. „Scheiße, da isser!“
Paul und Richard guckten Wassili ungläubig an. „Wer issn da?“
„Manfred – dieses Stasi-Arschloch!“
Richard lehnte sich genervt an die Wand. „Nee, oder? Dieser Typ, wo wir schon mit dem Sohn zu tun hatten?“ Wassili nickte. „Schon wieder dieser Drecksverein. Man hat das Gefühl, das hört nie auf mit denen!“
Wassili strich ihm über die Schulter. „Richard, wir wissen, was du damals hast durchmachen müssen mit diesen Subjekten! Bleib ganz entspannt, wir werden sie schnappen! Aber erstmal müssen wir ihnen nachweisen, dass sie irgendwas planen. Deshalb beobachten wir erstmal weiter!“ Er sah zu Paul. „Alles klar bei euch sonst?“
Paul zeigte ein verzweifeltes Lachen. „Joah, eijentlich schon, wenn dieses janze Theata nich wäre, wärn wa schon längst verheeratet.“
Wassili lachte kurz auf. „Stimmt.“ Dann sah er wieder zu Richard. „Weiß irgendwer sonst noch, was hier läuft?“
„Nee, ich hatte versucht, Laubacher zu erreichen. Aber er war nicht da.“
„Hm, ist vielleicht ganz gut so! Wir kriegen das auch alleine hin.“ Er sah wieder zu Paul, dann zu Richard. „Wisst ihr, wo Till ist?“ Beide schüttelten die Köpfe.
„Vielleicht in Dubai, da ist er ja oft.“
„Das kann gut sein. Oder vielleicht doch zu Hause, immerhin hat er jetzt eine kleine Familie.“
Richard nickte mit dem Kopf. „Kann auch sein.“
„Na, wie auch immer. Wir beobachten und ihr beide geht nach Hause. Wir kriegen das schon hin.“
„Aba Uli?“
„Keine Sorge, ihr wird nichts geschehen!“
*
Ulrike hatte Feierabend und schloß gerade ihre Praxis ab, als sie endlich mal auf ihr Handy sah. „Oh, von Richard.“, grinste sie in sich hinein. Richard war ihr „Partner in crime“, immerhin hatten sie an ein und demselben Tag Geburtstag.
Als sie die Nachricht las, musste sie schon ein bisschen schmunzeln. Die beiden Süßen hatten natürlich jetzt nicht mehr so wirklich Zeit für sich alleine. Jenny war schwanger und ihr ging es nicht gut; Sylvie und Linchen wurden laut Johannes langsam von Richard angenommen und Khira, Lilly und Ari hüpften gefühlt auch die ganze Zeit um sie herum. Da konnte sie es schon verstehen, wenn die beiden sich mal ein Schäferstündchen gönnen wollten.
Sie wählte Richards Nummer, aber er ging mal wider nicht ans Telefon. „Nun gut, dann später!“ Sie ging um das Haus herum in den kleinen Hinterhof, wo ihr Auto parken durfte und setzte sich in den kleinen Flitzer. Dabei fiel ihr etwas auf. Im Augenwinkel hatte sie etwas davonhuschen sehen und sie hätte schwören können, dass es die Farbe des Kleides war, welches diese junge Frau von vorhin anhatte. „Hm, merkwürdig.“, sprach Uli zu sich selbst und startete endlich den Wagen.
*
„Mensch, pass doch auf! Das hätte jetzt echt schiefgehen können!“ Manfred stand Schmiere, während Irina Ulrike beobachtet hatte, wie sie in das kleine Auto gestiegen ist.
Atemlos war sie wieder bei Manfred gelandet, ohne zu ahnen, dass die Russen ganz in er Nähe waren. „Ja doch. Soll ich irgendwie hinterher oder wie?“
Manfred schüttelte den Kopf. „Mhm. Lass mal! Wir schauen uns ein bisschen in ihrer Praxis um.“
Irina sah ihn mit großen Augen an. „Du willst einbrechen?“
„Ach, Täubchen.“ Manfred strich ihr über den Arm, wobei es Irina innerlich schüttelte, denn sie fand ihn einfach nur widerlich. „Natürlich nicht so, wie die ganzen unprofessionellen Idioten. Wir machen das ganz subtil.“ Damit zog er sie mit sich mit.
*
In der Zwischenzeit waren Richard und Paul wieder bei Richard in der Wohnung angekommen. Paul hatte ihn gestützt, so gut es ging, doch Richard war froh wieder in den heimischen Wänden zu sein. „Dit is echt allet nich zu fassn! Jetzt ham wa wieda so nen Stasitypn am Halse. Ick könnte echt kotzn im Strahl!“ Paul war richtig angefressen, denn wieder lief alles schief, was schieflaufen konnte.
Richard zog ihn langsam mit sich mit in die Küche und öffnete in der gleichen Bewegung den Kühlschrank. „Hier, mein Paulchen. Erstmal ne Abkühlung.“ Damit drückte er ihm eine Kanne mit frischem eisgekühlten Tee in die Hand.
Paul war total perplex, ob der Ablenkung und trabte brav langsam hinter Richard her ins Wohnzimmer. Gott sei Dank hatte Richard die Jalousien nach unten gezogen, so war es hier angenehm kühl und Pauls hitziges Gemüt konnte ein bisschen runterkühlen.
Richard hatte sich im Vorbeigehen zwei Gläser vom Beistelltisch geschnappt und sich stöhnend neben Paul auf das große Sofa gleiten lassen. „Es lässt sich doch nicht ändern, Schatz! Wir müssen jetzt wirklich den Russen vertrauen. Nur sie wissen wirklich, wie mit diesen Typen umzugehen ist. Und anscheinend haben die auch schon nen Plan.“
Er zog Paul zu sich heran und dieser schmiegte sich an die vertraute Brust. Endlich Ruhe, endlich nur er und Richard. Richard hatte manchmal echt ein Talent, alles herunterzuspielen. Zwar nicht immer, manchmal könnte man ihm auch sonstwohin schießen, wenn mal wieder was nicht klappte, wie er es sich vorstellte, aber so war es auf jeden Fall wesentlich angenehmer.
Paul guckte zu ihm nach oben und Richards Lippen legten sich wie von selbst auf seine. Paul liebte es, wenn Richard sich so zärtlich mit seiner kleinen Zunge in seinen Mund vorschlängelte und er spürte natürlich sofort sein Blut gen Süden wandern. Der Kuss wurde schnell intensiver und keuchend lösten sie diesen, als es an der Wohnungstür Sturm klingelte.
„Menno, nich eenmal kann man uns ma in Ruhe lassn!“, maulte Paul und schob Richard zurück, der sich erheben wollte. „Lass, dit mach icke.“
Vor der Tür standen Schneider und Ulrike – beide ziemlich aufgeregt. „Hey, na? Lange nich jesehn!“grinste Paul, doch Schneider zog ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter und Ulrike sah einfach nur traurig aus.
Richard war jetzt auch aufgestanden. „Schneider! Altes Haus!“ Damit haute er ihm auf die Schulter. Paul führte unterdessen Ulrike galant zum nächsten Stuhl.
Als sich die beiden gesetzt hatten und Richard ihnen auch Eistee angeboten hatte, fing Schneider an zu erzählen. „Erstmal hoffen wir natürlich, dass ihr einen schönen Urlaub hattet. Aber bitte, was ist denn eigentlich schon wieder bei euch los?“
Paul und Richard sahen sich alarmiert an, Uli hatte den Kopf gesenkt und sah betreten auf ihre Hände. „Wieso? Was meinst du?“
„Naja, Uli sagte etwas von einer ganz merkwürdigen Patientin, die ihr wohl etwas hinterherspioniert hatte. Hat das was mit euch zu tun? Ich denke, alle Querschläger sind endgültig weg?“
Richard druckste etwas herum, aber Paul fing an zu erzählen. Schneider sprang hoch in die Senkrechte. „Echt jetzt? BITTE nicht schon wieder!“
Ulrike zog ihren Mann wieder auf das Sofa. „Chris, nicht. Die beiden können doch auch nichts dafür.“
Paul nickte.
„Also, nochmal. Ich hab eine neue Patientin, bei der irgendetwas nicht stimmt.“
Richard und Paul sahen sich wieder an. Wassili hatte ihnen gesagt, sie würden sich kümmern, also brachte es gar nichts, wenn sie die Pferde scheu machten und den beiden erzählten, was sie beobachtet hatten. Das würden sie noch früh genug erfahren.
„Aha. Und was stimmt nicht?“ Richard tat interessiert, aber Paul hatte ein schlechtes Gewissen. Er wollte gerade mit der Wahrheit rausrücken, als es erneut an der Tür klingelte. Er war dankbar über die Ablenkung und sprang sofort hoch.
Vor der Tür standen Lilly, Khira und Arielle. „Na, ihr beiden – jetzt endlich Zeit für EURE Hochzeitsplanung?“ Alle drei Damen grinsten über das ganze Gesicht.
